Fritz Nowack aus der Laeuburger Zeitung

Gasthof
Dorfstrasse
Mühle
DORFSTRASSE
Schulhaus in Freist Sommer 1938
SOHN DES LEHRERS BLANKENBURG
DIE FREISTER SCHULE IM WINTER
DIE WASSERMUHLE
KLAUS BORCHARDT ETWA 1940-41
AUF DEM WEG ZU SCHULE IN FREIST
THERESE RUSKE IN FREIST
THERESE RUSKE FREIST
INNENHOF MIT STALLUNGEN SCHEUNE UND WAGENREMISE
BAUERNÖFE 1939 :
ALEX BOHL
ERNST BOHL
JULIUS DEZELSKE
ERNST SBACH
EDUARD KLOTZ
WALTER KLOTZ
ERNST LÖLKE- gefallen bei Königsberg 1945
AUGUST MANZECK- seit 15.08.1942 vermisst bei Woronesch
RUTHARDT PIOTRASCHKE
FRITZ RUSKE
FRIEDRICH SCHALK
FRITZ STEINKE
HERMANN WANDTKE
Die Namen der Bauerngeschlechter vom Jahre 1559
Schulze Peter Gladde;
Bauern:
1) Swanter Klotz,
2) Wonike Klotz,
3) Martcn Brir,
4) Peter Klotz,
5) Woitke Peckell,
6) Michel Klotz,
7) Greger Gruske,
8) Martin Gnadt,
9) Peter Klotz.
FREIST
Königlich Freist, ein Gemeindebezirk mit 332 Einwohnern im Amtsbezirke Freist.
Der Name Wrzeszcz ist die ursprüngliche Bezeichnung für die ganze Landschaft gewesen, welche die beiden obengenannten ßörfer umfaßte. Da dieses pommerellische Wurzelwort für die deutsche Zunge unaussprechlich war, haben die deutschen Bewohner es sich nach Möglichkeit zurechtgelegt. In einer Grenzbeschreibung des Jahres 1377 tritt es sogar als Przecz auf, 1402 als Wrzesz, dann als Vrzetz, 1437 wieder als Vrsetczs und als Vrzest. Im Jahre 1514 heißt es bereits Vrest, ebenso 1523, 1528, 1578 Frest. Um das Jahr 1601 findet sich die Form Freest, dann aber (1605) läßt der Volksmund das gedehnte e schon in ei übergehen, dem Idiome der nordischen Küstenlandschaft entsprechend. In der Hufenmatrikel vom Jahre 1628 ist bereits der Name Freist aufgenommen, eine Form, welche die Herausgeber der Pommerschen Ritterschaftmatrikeln Klempin und Kratz mit Konsequenz bis auf die neueste Zeit beibehalten haben; sie geben sie für die Jahre 1628, 1756, 1804 und 1862. Auch im alphabetischen Verzeichnisse des Regierungs bezirks Köslin vom Jahre 1834 tritt nur die Form Freist auf. In der Statistik von Brüggemann vom Jahre 1784 wird für das Amtsdorf der Name Freist gebraucht. für das adlige Gut hingegen stellt er beide Namen Freest und Freist nebeneinander.Der erste Besitzer aus der Familie Somnitz, Karl Heinrich von Somnitz, seit 1781, gestorben 1818, nennt es auch noch Freist, während unter seinen Nachfolgern seit dem Jahre 1840 der richtigen, angestammten Form Freest immer der Vorzug gegeben ist. Nun trat aber dadurch eine noch größere Verwirrung ein, daß neben dem adligen Gute sich noch ein kleines unter adligem Patronate stehendes Dorf Freist befand, zuletzt nur aus einem Bauernhofe und vier Köpfen bestehend, welches erst in jüngster Zeit, seit dem 23.Mai 1893 zu bestehen aufgehört hat. Nach Einführung der neuen Kreisordnung und der Trennung in Guts und Gemeindebezirke wurde zwecks Auseinanderhaltung beider Ortschaften auf Antrag der Gutsherrschaft für das adlige Gut die angestammte Benennung Freest amtlich festgelegt, während für das Amtsdorf die im Volksmunde bereits üblich gewordene Form Freist beibehalten wurde. Zu verzeichnen ist die aus der heimischen Ueberlieferung stammende Notiz, daß für dieses Letztere auch die Benennung Faust im Volksmunde einige Zeit herrschend gewesen ist ( Cramer 1. Teil, Anhang 5. 39). Der Bahnhof Freest (seit 1899) liegt auf Gutsterrain. Bei dem ersten Auftreten des Ortes in der Geschichte anno 1377 war es nur eine landschaftliche Bezeichnung ohne Rücksichtnahme auf seine Spaltung in einen fiskalischen und einen Allodialbezirk. Auch im Jahre 1402 bei den Angaben über den Bischofsdezem ist nur von einem Orte Vresz mit 8 Hoken die Rede. Die im Lauenburg Putziger Landgerichte auftretenden Vretz und Vreschow (letzteres ist vermutlich eine Entstellung des gleichen Namens) geben keinen Anhalt für den Charakter des Ortes. ImJahre 1437 hingegen ist die Ortschaft schon mit Sicherheit gespalten. Das Gemeinsame beider Ortschaften sind nur die polnischen Angaben; sonst aber waren sie bereits scharf getrennt in ein Allodialgut Vrsestczs von 3 Hoken und ein Bauerndorf Vrzest mit 10 Hoken. Wann dieses erstere den Weiherschen Besitzungen von Gans und Schönehr zugeteilt ist,darüber fehlen sichere Nachrichten. Den Weiherschen Familien Nachrichten zufolge hätte sich schon der Sohn des im Jahre 1373 genannten Dietrich, Namens Johannes Weiher Erbherr auf Gans und Schönehr auch im Besitze von Freest befunden, und hätte die Linie Freest, später Vietzig, begründet.Wirklich bei Namen wird Freest unter den Weiherschen Besitzungen zuerst in Liner Urkunde vom Jahre 1514 aufgeführt; doch ist hiermit keineswegs ausgeschlossen, daß es nicht schon vorher zu den "Tobehorunge" zu rechnen ist. Seitdem ist Freest ein Weiherscher Besitz bis zum Jahre 1781 geblieben (6.Oktober). In diesem Jahre erwarb es Karl Heinrich von Somnitz; seine Mutter war eine Sophia Konstantia von Weiher. Karl Heinrich starb 1818 am 10.April zu Charbrow. Ihm folgte Friedrich von Somnitz 1784 - 1840 Erbherr auf Charbrow, Freest und Schönehr, seit 1820 auch von Goddentow; auf ihn folgte sein 4. Sohn Leo, geboren 1822, der im Jahre 1873 von seinem jüngsten Bruder Hugo noch Schönehr dazu erwarb. Von 1830 - 1909 Friedrich von Somnitz, geboren am 10. Oktober 1851, gestorben im November 1909; seitdem dessen Sohn Bogislaw von Somnitz. Das ehemalige Amtsdorf Freist hat seinen bäuerlichen Charakter bis zu dieser Stunde bewahrt. Im Jahre 1658 bestand es aus 11 Hufen, von denen eine eine freie Schulhufe, eine andere unter die Bauern verteilt war. Die Besitzenden waren: der Schulze, 9 Bauern, 2 Gärtner und ein Müller. Es kamen vor die Namen: Kamin, Klotz, Krack, Krüger, Latt, Wilcke. - Wald war damals nicht vorhanden. Die gleiche Anzahl von Besitzern bestand noch im Jahre 1784, doch tritt hinzu ein im Jahre 1782 erbautes lutherisches Schulhaus und eine kleine Kiefernforst. Gegenwärtig werden neben dem Amtsvorsteher Mühlenbesitzer W. Seils,der durch seine Frau, verwitwete Bohl den ehemaligen Freischulzenhof erworben hat, und dem Hofbesitzer und Gemeindevorsteher Hanncke 8 Haibbauern genannt. Dzielski, Haucke, Hetzke, Klotz, Sbach 1 und 2, Schalk und Zeschin; Lehrer Archut, ferner der Gastwirt H. Seils (früher Godelmann) ‚der Kaufmann Stein und der Mühlenbesitzer Hill (Hills) (früher Scheunemann).
Die Vertreibung
Ich war noch ein junges Mädchen, als die Vertreibung statt fand. Anfang 1945 war der Zusammenbruch. Die Russen waren schon in Ost und Westpreußen eingezogen. Die Leute flüchteten aus ihrem Eigentum und haben bei uns im Dorf und anderen Dörfern und Städten Zwischenstation eingelegt. Dann kamen auch die Russen nach uns. Die Panzer fuhren auf der Chaussee und schossen über die Dörfer hinweg. Da es gefährlich war, gingen die Leute aus dem Dorf in den Wald, um ein bisschen geschützt zu sein. Wir fanden dort Bunker vor, die von der SS gegraben waren. Nur wir wussten im Dorf nichts davon. Aber die Russen kamen auch dorthin, gaben uns zu verstehen, wenn wir nicht heraus kämen, würden wir alle Umgebracht. Wir waren alle zusammen gepfercht im Bunker, jetzt wurde entschieden wir gehen alle raus, mit erhobenen Händen oder weißen Tüchern. Jeder ging in seine Wohnung zurück. Die jungen Mädchen wurden schon dort vergewaltigt, es war schlimm auch als Kind So etwas zu sehen. Ins Dorf kamen die Russen. Benahmen sich unmenschlich. Am Abend, es war schon dunkel, ging meine Mutter mit uns Kindern ( wir waren 5 Geschwister ) wieder auf den Ziegenberg. Meine Eltern dachten wir wären dort sicherer als im eigenen Haus. Wir krochen in gebückter Stellung über die Felder, damit wir nicht gesehen wurden, denn auf Den Wegen fuhren die Russen mit ihren Panienvagen. Oben kehrten wir hei Herta Klotz ein, es waren 2 ältere Damen. Das Haus war nicht sehr groß. Wir Kinder wurden alle in ein Bett gesteckt. Der Papa blieb unten im Haus zurück um die Tiere zu versorgen. Wir hatten Kühe, Schweine, Schafe, Hühner, Enten ‚Gänse und ein Pferd. Auch lebte eine Hilfe, ein Ukrainermädchen, bei uns. Sie hieß Maria. In der Schreinerei war ein Pole als Gehilfe tätig. Sein Name war Felix. Das war ein ganz versoffener Kerl. Wenn er Gehalt bekommen hatte, ging er das Geld versaufen. Es wurde dann drei Tage nicht gearbeitet. Nun wieder zu uns auf dem Ziegenberg. Es war schon sehr spät in der Nacht, da kamen doch auch hier die Russen wieder an. Die Kinder wurden aus den Betten gerissen und alles durchwühlt, in der Hoffnung junge Mädchen zu finden. Da keine da waren wurden die älteren Frauen vergewaltigt. Als wir am nächsten Tag wieder nach Hause kamen hatten sich die Offiziere in unserem Haus eingenistet. Meine Mutter musste für sie kochen. Sie brachten Hühner-, Gänse- und Enteneier die zu Rührei gemacht wurden. Schinken, Wurst und Schnaps. Brot war nicht viel da. Jetzt feierten sie bis alle besoffen in den Ecken lagen. Ich weiß nicht wie viel Tage die Russen bei uns waren, wir Kinder wurden zu Verwandten gebracht. Eines Tages waren viele Mongolen mit ihren Wagen da und plünderten was noch da war, auch bei uns. Meine Eltern hatten noch zu Weihnachten 1944 - geschlachtet, Schinken geräuchert, Wurst wurde in Gläser gekocht, da meine Eltern keinen Keller im Haus hatten sondern in der Werkstube, wurden diese Gläser alle dort untergebracht und verstaut. Keiner wusste von dem, aber die Russen fanden jede Stelle auch diese. Die Gläser wurden alle auf die Wagen durch die Fenster geworfen. Aber Otto Stieiow und ich, Luise Klotz (verh. Kleiner) haben es gesehen, liefen hin und haben an der anderen Seite soviel es ging wieder herunter geholt. Die Sachen haben wir in den Garten bei Märtenz gestellt.
Im Dorf ging es drunter und drüber, die Schule wurde auch nicht besucht. Jetzt wurde es noch schlimmer. Wir wurden aus unseren Wohnungen gejagt, wohin ? Auf der Straße liefen wir zusammen und unser Weg führte nach klein Jannewitz ins Schloss. Die Herrschaften waren nicht da, ob sie schon geflüchtet Waren weiß ich nicht. Aber aus mehreren Dörfern waren die Leute da. es verging eine Woche, dann gingen wir wieder nach Hause. Wir dachten es wäre jetzt alles in Ordnung und könnten bleiben, aber nein, nach Wochen kam der Befehl, das Dorf muss Flüchten, alles stehen und liegen lassen, nur was man tragen kann konnten wir mitnehmen. Der Transport wurde zusammengestellt. Früh des Morgens, es war noch dunkel, mussten wir raus. Wir gingen zu Fuß zum Bahnhof. Als wir in Freest am Park vorbei kamen, wurden wir geplündert. Doch wir mussten zum Bahnhof weiter gehen. Am Bahnhof angekommen wurde uns mitgeteilt, der Zug fährt nicht. Wir standen alle da, konnten nichts sagen, sondern machten uns wieder auf um nach Hause zu kommen. Fast das halbe Dorf war am Bahnhof. Als wir zu Hause ankamen, standen die Häuser auf und was noch gebraucht worden war, war geklaut. Mein Vater war Schreiner. Also haben die Russen ihn für viele Arbeiten gebraucht. Die Tiere wurden zusammengetrieben und irgendwohin gebracht. Auf den Feldern wurde auch nichts gemacht. Das ging viele Wochen so weiter, bis die Polen ins Dorf kamen und die Häuser besetzten. Sie wurden von den Russen eingeteilt. Bei uns im Haus war eine Familie, Vater, Mutter und 5 Kinder. Diese Familie war genauso groß wie wir. Eine Tochter ist noch 1945 gestorben. Das Kind wurde von einer Gesundheitsbeterin behandelt, hat viele Qualen mitgemacht. Dann ist sie doch gestorben. Wir hatten 2 Zimmer und der Pole auch. Dieses Jahr war ganz schlimm, nichts lief, keiner ging in die Schule . Jeder lungerte so vor sich hin. Uns gegenüber wohnten Kreuzers. Die hatten 2 Töchter- Hella und Lilli. Hella war nicht zu Hause. Lilli wohnte bei den Eltern. Sie war krank, keiner wusste was sie hatte. Sie saß den ganzen Tag am Fenster konnte nicht gehen. Ich war sehr viel bei Ihr, brachte ihr frische Brennnesseln oder Gemüse was die Mama im Garten hatte. Ich war oft bei ihr um zu sprechen. Sie war zwar älter als ich, aber unser kindliches Wesen hat sie aufgemuntert. Mit der Zeit hat sich vieles eingespielt. Es sind auch Ostpreußen durch unser Dorf gezogen. Sie fragten an, ob Sie bei uns übernachten könnten. An einem Tag, als meine Tante Frieda Piotraschke mit Kindern und deren Schwester Else Gromoll, geb. Märtens hei uns waren um Schutz zu suchen kam ein Deutscher Soldat in unser Haus gelaufen sprang durch das Hoffenster und versteckte sich in der Scheune. Er wurde von einem russischen Soldaten verfolgt. Der Russe schrie nur, wo ist der Soldat, lief durch die einzelnen Räume und dann in die Scheune. Hier fand er den Soldaten und schoss ihn tot. Der Soldat hatte keine Marke und keine Papiere bei sich. Die Russen verließen dann wieder unseren Hof Mein Vater hat den erschossenen Soldaten mit ein paar anderen Männern auf dem Friedhof in Charbrow gebracht. Die Ostpreußen sind dann die nächsten Tage weiter im Treck gezogen. In dieser Zeit sind viele Leute krank geworden und aus gram gestorben. Ein Jahr haben wir in unserem Dorf und in unserem Haus mit Polen zusammen gelebt.
Mein Vater war Schreiner (Tischler). Er arbeitete viel und brachte dafür etwas zu Essen nach Hause. Es war nicht viel zu essen aber Kartoffeln und Salz und Milch hatten wir immer im Haus. Wir Kinder strolchten durch das Dorf und haben viel ausgeheckt. Man kann sagen, dass die meiste Zeit für uns Kinder nicht so schlimm war. Bis auf einzelne Vorkommnisse. Uns waren die Probleme und Sorgen unserer Eltern als Kinder nicht so bewusst.
Was mit unserer Maria passiert ist, weiß ich nicht. Sie wurde von den Russen verschleppt und wir haben nichts mehr von ihr gehört. Wer noch ab und zu kam war der Pole Felix. Wir saßen am Mittagstisch und aßen unsere berühmten Kartoffeln mit Milch. Er sagte zu Papa „Paul wir rechnen heute ab". Mein Vater wusste nicht um was es ging. Dann wollte sich Felix meinen Vater schnappen und ihn mit dem Kopf auf den Tisch schlagen. Da er „Gott sei Dank" wieder einen zu viel getrunken hatte, hatte er nicht so viel Kraft. Wir Kinder sind gelaufen und holten unseren neuen Mitbewohner Anton (auch ein Pole) zur Hilfe. Der half dann beim rausschmeißen. Dann haben wir Felix nicht mehr gesehen. Wie man uns erzählte ist er bald darauf gestorben. Unser Vater erzählte uns später weshalb Felix gekommen war. Als Felix noch bei uns angestellt war und wenn er getrunken hatte sagte ihm mein Vater nichts sondern meldete dieses dem Gandarm, der sich der Angelegenheit auch öfters angenommen hat. Was Felix natürlich geärgert hat. In der folgenden Zeit ging mein Vater auf den Gütern und in den Wassermühlen arbeiten. Die Mühlen wurden bei uns mit Wasser angetrieben, die besondere Stifte hatten. Die konnte nur mein Vater arbeiten. So hatte er immer arbeit. Meine Mutter machte ein bisschen Acker fertig was der Pole Anton uns gab. Wir Kinder halfen mit. Nun wurden Kartoffeln gesetzt und Gemüse was man noch im Schrank hatte (Samen). Meine Mutter nähte auch für die Polen. In diesem Jahr (1945) war keine Schule. Wir spielten hauptsächlich. (Als Kinder fanden wir es toll - später war es nicht so schön weil wir schulisch nicht so weit waren und mit jüngeren Kindern zusammen in einer Klasse waren). In unserer Freizeit gingen wir für die Polen Gänse hüten. Zum baden liefen wir auf den Ziegenberg zum Katschnik. Wir zogen uns bis auf die Schlüpfer aus und badeten. Dann wurde sich abgetrocknet. Kleid angezogen und rumgetrödelt. Die Schlüpfer wurden auf ein Holzkreuz gehängt und bis nach Hause auf dem Rücken getrocknet. Im Katschnik wurde alles gebadet. Schafe, Pferde, Kühe Hunde und wir Kinder. Dennoch sah das Wasser immer sauber aus. Wir haben auch im Bach gebadet, schwimmen konnten wir leider nicht. Der einzige der Schwimmen konnte war Martin Seils. Er ging in Lauenbürg auf die höhere Schule. Nur uns hat er es nicht gelernt. Wir anderen Kinder haben auch oft gefischt. In einem Eimer wurde der Boden heraus genommen und dann versucht über die Fische zu stülpen. Spaß hatten wir immer. Im Herbst haben wir auch Holz sammeln müssen. Damit wurde gefeuert. Mittlerweile hatten meine Eltern kaum noch Geld. Das Gold - Geld hat mein Vater in Leba umgesetzt für Zlottis. So hatten wir wieder was zu leben. Wenn er in Leba war brachte mein Vater immer frischen Fisch mit. Bezüglich der Russen fehlt mir noch folgendes ein: Wenn die Russen in die Häuser kamen und Frauen vorfanden hörte man immer das gleiche: 5 Minuten Rabotti und Uhri, Uhri, Ring ,Kette. Wenn eine Frau noch ihren Ehering hatte wurde er einfach mit Gewalt abgezogen. Zum Teil wurden die Schmuckstücke und Wertsachen in die Kleider eingenäht. Lange Zeit haben es die Russen nicht gemerkt. Doch als sie es herausfanden wurden alle Sachen genauestens untersucht .Viele Sachen - z.B. Geschirr, Besteck und Gläser wurden auch vergraben. Die Russen fanden jedoch aus diese Gegenstände. Mit langen Stangen aus Metall gingen sie in den Scheunen und Stauungen auf Suche und wurden oft fündig . Ende Mai 1946 kam wieder der Aufruf alle müssen das Dorf verlassen. Wer sich zu den Polen bekannte durfte bleiben. Die meisten aus dem Dorf zogen los. Jedes Kind von uns kriegte einen Rucksack auf den Rücken. Es war nicht viel drin. Unser Bett und etwas Brot zum essen. Meine Eltern gingen mit uns Kindern (alle mussten sich anfassen) zum Bahnhof. Wir hatten noch Pech, meine Schwester Hanni hatte ein Geschwür am Knie, es wollte nicht aufgehen. Wegen der Schmerzen im Knie hat meine Schwester viel geweint. Dann sagte jemand zu meiner Mama, lege Spitzwegerich drauf. Wir sammelten die ganze Zeit diese Blätter. Sie wurden auf das Knie gelegt und gewickelt. Nach kurzer Zeit ging das Geschwür dann tatsächlich auf. Dann erst konnte Hanni wieder richtig laufen. Und dieses mal standen wir nicht umsonst am Bahnhof. Der Zug ging wirklich ab. Piotraschkes, Kioske, Raschke, Klotz, Blum, Treder, Müller, Keko-Elli - ungefähr 30 Personen waren aus Freist in einem Wagon. Dann noch Weihers aus Borkow, Martha Klotz mit Ernst und Schneiders die in Lübeck ausstiegen. Der Zug fuhr zwar, aber sehr langsam. Zwischendurch hielt der Zug manchmal an. Man konnte dann sein Geschäft verrichten. Die Zugführer (Russen) nahmen jedoch keine Rücksicht darauf wenn sie wieder anfuhren ob auch alle Kinder oder Personen wieder auf den Wagons waren. Viele blieben zurück. Viel Heulerei und Schreierei. Aber der Zug rollte weiter. Dann kamen wir in Stettin an. Hier wurden wir in einem Fabrikgebäude zusammengepfercht. Zu essen gab es nur Wasser und Brot.
Wir, meine Eltern und Geschwister kamen noch in einem Privathaus unter. Aber an diese Zeit habe ich keine richtige Erinnerung mehr. Von hier wurden wir nach Oelzen gebracht. Dort wurden wir in Zelten untergebracht. Wir wurden auf Krätze und Läuse untersucht. Wir wurden gefilzt und gepudert. Hier bekamen wir das erste richtige Essen und trinken. Wir bekamen auch was zum anziehen. Dann wurde der Zug aufgeteilt in Städte. Unser Zug ging nach Wipperführt wo wir in einem großen Haus (Schule ?) untergebracht wurden Wir wurden versorgt und betreut. Wir Kinder hatten ja in der ganzen Zeit keine Schule besucht. Die Stadt Wipperführt wollte uns nicht haben. So wurden wir in Bussen nach Wermelskirchen gefahren. In Wermeiskirchen waren schon viele Flüchtlinge. Das katholische und evangelische Vereinshaus waren bereits voll,
vorhandene Säle waren auch besetzt. Wir kamen in die katholische Schule direkt neben der Baptisten Gemeinde. Hier war ein liebes Predigerpaar Familie Dehn tätig. Wir Kinder wurden von diesem Ehepaar liebevoll betreut und versorgt. Vor allem um uns Kinder bemühte man sich sehr. Hier sind wir nicht lange geblieben. Der Schulbetrieb wurde aufgenommen. Wir mussten auch in die Schule gehen. Wir wurden jedoch ein Jahr zurückgestuft. Wir zogen um ins Deutsche Haus zum Gastwirt „Schneppendahl". Es war ein großer Saal, jede Familie bekam eine Strohecke wo wir schlafen konnten. Essen bekamen wir aus der Großküche. Das Essen war manchmal furchtbar. Nach kurzer Zeit kamen wir in die Schulgasse. Wir wurden in einer alten Schule auf 2 Zimmer aufgeteilt. Meine Mutter und meine Schwester Elli waren im Deutschen Haus sehr krank geworden. Elli kam dann ein Jahr in die Kinderklinik nach Wuppertal. Wegen der schlechten Zeit wurden wir Kinder aufgeteilt. Hanni kam nach Dhünn zu einer Familie Schneider, die hatten ihren Sohn im Krieg verloren. Ich, Luise, bin nach Nehmten (Holstein) gekommen. Meine Tante Erna Boy und Onkel Eduard waren dort Schweizer (Melker) auf einem Gut. Es ging ihnen gut, deshalb nahmen sie mich auf Ich bin fast 1.5 Jahre dort gewesen. Dann bekam ich Heimweh und ich musste auch zum Konfirmandenunterricht gehen. Der Weg in Nehmten war fast 20 km weit und gefährlich. Nach einigem betteln holte mich meine Mutter wieder zurück. 1950 bin ich konfirmiert worden und ging dann im April in die Seidenweberei Schuhmacher in die Lehre. Mein Wunsch war Schneiderin zu werden. Ich bekam jedoch keine Lehrstelle. 1956 habe ich dann geheiratet. Mein Mann kam aus Schlesien. 1966 wurde unsere Tochter Regina geboren. 1999 heiratete sie meinen Schwiegersohn Detlef Schwarz und hat jetzt auch eine Tochter. Meine Enkeltochter wurde 1999 im Juni geboren. 1980 haben mein Mann und ich ein Haus außerhalb von Wermeiskirchen gekauft. Im Juli 1994 verstarb mein Mann.
Die anderen Geschwister sind bei den Eltern zu Hause geblieben. Im März 1960 verstarb meine Mutter. Mein Vater verstarb im Dezember 1976.
aufgeschrieben von Luise Kleiner, geb. Klotz