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BOGISLAW VON SELCHOW

BOGISLAW VON SELCHOW

 

Als Bogislaw von Selchow am 24. Januar 1923 den philosophischen Doktor „summa cum laude" machte, nachdem er seit Ende des ersten Weltkrieges in Berlin und Marburg Geschichte, alte Sprachen, Kirchengeschichte, Philosophie und Geographie studiert hatte, da schrieb er in sein Tagebuch, das er seit seinem sechsten Lebensjahr geführt hat, „Mein zweites Leben begann". War das erste ein soldatisches, dem Seemannsberuf gewidmet, führte es ihn in die Weite der sieben Meere und vermittelte ihm die Kenntnis vieler fremder Länder und die Bekanntschaft der bedeutendsten Staatsmänner, Künstler und Gelehrten, so war das zweite ein Gelehrtenleben in der Stille der Studierstube und stellte sein umfangreiches Werk in den Dienst der geistigen Entscheidungen. Sein Buch „Hundert Tage aus meinem Leben" (1937) gibt uns einen genauen Einblick in sein Werden, in seine Entwicklung, in seinen Dienst in der Marine, während über die zweite Hälfte seines Lebens kaum Zeugnisse vorliegen. Der weltweiten Aufgeschlossenheit der Jugendjahre steht die Einsamkeit des reifen Mannes gegenüber. Immer aber war er seiner Heimat tief verbunden. „Es gibt auch für den stärksten Menschen und vielleicht für ihn am stärksten das, was wir Heimweh nennen. Die Menschen draußen in der Welt sind anders als wir. Wir machen zuerst die Augen auf vor all der Schönheit, mit der das Neue, Niegeschaute uns entgegentritt. Und wenn wir trotz allem nach einer Weile merken, dass das fremde Land gar zu anders ist, dann machen wir Seeleute es wie die Möwe, die sich erinnert, dass sie Flügel hat. Aber schließlich fühlen wir, dass wir letztlich doch dahin gehören, wo unsere Wiege stand, dass es uns heimzieht zu denen, die unseres Blutes und unserer Art sind." Es ist eine dichterische Aussage, wenn es in dem bekannten Gedicht heißt:
Ich bin an der Leba geboren"; denn Bogislav von Selchow erblickte das Licht der Welt am 4. Juli 1877 in Köslin. Doch seine entscheidenden Kinderjahre erlebte er in Karolinenthal an der Leba. „Er entstammte einem alten niedersächsischen Adelsgeschlecht, das im 12. Jahrhundert unter Kaiser Lothar III. sich an der Ostkolonisation beteiligte und sich fortan nach dem neuen Wohnsitz und Besitz Selchow (Uckermark) nannte. Während des dreißigjährigen Krieges gingen die Güter der Familie verloren. Ein Zweig ging nach Thüringen und später nach Oberschlesien, der andere wandte sich nach der alten niedersächsischen Heimat zurück, wo der Ururgroßvater, Johann Heinrich Freiherr von Selchow, sich als Professor der Rechte an der Universität Göttingen und später als Kanzler der Universität Marburg einen bekannten Namen als Rechtsgelehrter erwarb. Sein Sohn erbte das Natzmersche Gut Rettkewitz im Kreise Lauenburg" (Nach einem Brief des Dichters an der Verfasser). Von da an war die Geschichte der Familie von Selchow eng mit der des Lauenburger Kreises verbunden, war doch der Großvater des Dichters von 1823 bis 1840 Landrat der damals noch vereinigten Kreise Lauenburg und Bütow, und nach der Trennung stand er bis 1850 an der Spitze des Kreises Lauenburg. Dann trat er als „Hilfsarbeiter" im Ministerium des Innern in den Staatsdienst, war Regierungspräsident von Frankfurt/Oder, Oberpräsident von Brandenburg und endlich, während der Konfliktszeit, elf Jahre lang Landwirtschaftsminister im Ministerium Bismarck. Nach seiner Entlassung siedelte er 1873 mit seiner Familie von Rettkewitz nach dem von seinen Vorfahren um 1800 gegründeten Karolinenthal über. In zahlreichen Gedichten spricht Bogislav von Selchow von den unvergesslichen Eindrücken seiner Jugendheimat: Eltern, Vaterhaus, Heimatdorf und Natur sind die Motive seiner Verse.
Ich sehe meines Vaters Lichtgestalt,
seh' wieder seine Augen, seine tiefen;
sie blickten ernst, sobald es Taten galt,
froh, wenn die Feierabendglocken riefen.
Seh' meinen Vater, wie er allezeit
bald freundlich, bald mit forderndem Befehle
Gehorsam, Treue, Mut und Dankbarkeit
mir eingepflanzt in meine Seele.
Und sehe weiter, gütig, still und mild
sie, deren Herz so oft für mich geblutet,
seh' meiner Mutter liebevolles Bild
von zauberischem Glanze überflutet.
Die Schulzeit auf den humanistischen Gymnasien in Köslin und Charlottenburg brachte früh die räumliche Trennung, aber die Verbundenheit blieb. 1892 war Bogislav von Selchow zum letzten Mal in Karolinenthal. Es bedeutete deshalb ein frohes Wiedersehen mit dem Kreise Lauenburg, als er auf meine bitte im Jahre 1936(?) zu einer Lesung aus seinen Werken nach Lauenburg kam, wo ihn in der Aula des Lyzeums ein warmherziger Empfang vieler alter Freunde und jugendlicher Verehrer herzlich erfreute. In einer gemütlichen Kaffeestunde wusste er meinen Jungen manches von den Klippen seiner Schulzeit zu erzählen. Von tiefem Eindruck war seine Erinnerung an Lilienthals Tod und Beisetzung. Sein bestandenes Abitur verdankte Selchow zu einem Teil Bismarck. Diesem hatte er eine lateinische Ode gewidmet, deren „wohlwollender Inhalt und gute Latinität" dem Altkanzler gefallen hatten. Dies Urteil gab den Ausschlag, als ein Misserfolg in der Klausurarbeit (infolge einer Gehirnerschütterung beim Sport am Vortage) das Bestehen der Prüfung in Frage stellte. 20 Jahre lang war Bogislav von Selchow dem Meere verschworen.
Das Meer war einst mein erstes Lieben,
noch ehe ich es recht gekannt;
dem Meere bin ich treu geblieben,
nun grau das Haar und schwer die Hand.
Der Seemannsberuf war ihm Erfüllung. Am 9. November 1918 schreibt er in sein Tagebuch: „Ich liebe den Seemannsberuf über alles und, als Primaner noch einmal vor die Wahl gestellt, würde ich ohne Besinnung wieder See- Offizier werden." Die Fülle seiner Stationen und Erlebnisse in den Jahren seines Soldatentums kann nur in Stichworten angedeutet werden: Zwei harte Ausbildungsjahre auf den Schulsegelschiffen SMS. „Stein" und „Moltke" (1897/98) mit viel ernsten und frohen Erlebnissen; Adjutant auf dem Linienschiff „König Wilhelm der Große" (1901); zweijährige Weltreise als Wachoffizier auf SMS. „Hertha" (1904/06); Landkommando Marine-Akademie Kiel (1907/08); Fahrten nach Togo, Goldküste, Südwest Afrika (1909)'; Admiralstab Berlin (1910); Mittelmeerfahrt auf dem See- kadetten- und Schiffsjungen-Schulschiff SMS. „Viktoria-Luise" als erster Offizier (1913); Weltkrieg: Wachdienst in der Ostsee, Bataillonskommandeur in Flandern, Seeschlacht am Skagerrak, Admiralstab Berlin.
Der Dichter hatte die Welt kennen gelernt. Er sah die märchenhafte Pracht des Urwaldes, die Wunder Indiens, er stand in Griechenland, Rom und St. Helena an historischen Stätten, er genoss den Zauber Japans und der Südsee wie die herbe Kraft des Nordens. So war es ein schwerer Abschied, den er als Fregattenkapitän von dieser Zeit seines Lebens nehmen musste.
Mein heilig Meer, mir graut vor jenem Tage,
wie vor dem Tod;
denn alles, was ich fühle, was ich trage
an Glück und Not,
du bist der Freund, an den ich stets mich wende
mit jedem Sinn,
du bist der Anfang mir und du das Ende,
solang ich bin

Einmal wird Schiff  und Kompass stille stehen
wird ruhn das Schwert.
Hilf du mir diese Stunde überstehen
als deiner wert!
Eine Eigenschaft des Dichters muss noch besonders erwähnt werden, seine starke Volksverbundenheit. Die „Treugemeinschaft" der Kadettenzeit, die erfolgreiche Verteidigung seiner Untergebenen in Kriegsgerichtsverfahren, seine Urlaubserlebnisse, wenn er als Matrose Hein Elmers oder als Arbeiter oder Handwerksbursche verkleidet, ein Harun al Raschid, Deutschland und Osterreich durchwanderte oder durchreiste, seine Verbundenheit mit den viel jüngeren Kommilitonen, als er 1920 Führer der Marburger Schutzgemeinschaft der Studenten im Kapp-Putsch wurde.
Am 24. Januar 1920 schrieb Selchow sein erstes Gedicht „Meines Vaters Testament". Nun floss der Quell dichterischen Schaffens so stark, dass die Gedichtbände „Deutsche Gedanken" (1920), „Von Trotz und Treue" (1921) und „Der Ruf des Tages" (1922) in schneller Folge erscheinen konnten (Gesammelt als „Wächter der Schwelle" 1930). Seine schlichten, ungekünstelten Verse fanden ein weites Echo, waren sie doch in eine bewegte Zeit hinein gesprochen.
In völliger Zurückgezogenheit, unterbrochen durch kleine Reisen zu Verwandten und Freunden und Erholungsaufenthalten im Jungborn, im Harz schuf Bogislav von Selchow von 1923 ab bis zu seinem Tode am 6. Februar 1943 in Berlin (Einzelheiten sind mir nicht bekannt) seine großen Werke aus geistesgeschichtlich-philosophischem Denken: Der Kampf um das Posener Erzbistum (1923); Unsere geistigen Ahnen (1927); An der Schwelle des vierten Zeitalters (1931); Die Not unseres Rechtes (1932); Der Glaube in der deutschen Ichzeit (1933); Der deutsche Mensch, zwei Jahrtausende deutscher Geschichte (1933); Der bürgerliche und der heldsche Mensch (1934); Das Namenbuch (1934); Der unendliche Kreis, Lebensroman des Nikolaus von Cues (1935); Deutsche Köpfe im Zeitalter Friedrichs des Großen (1936); Worte und Werke (1938); Frauen großer Soldaten (1939).
Für Bogislav von Selchow gab es kein zauderndes Besinnen, kein müdes Klagen; sein Leben war Wille und Tat.
Mein Leben war ein Ringen
von morgens früh bis abends spät.
An jedem Tage
die gleiche Frage:
Kannst du es zwingen?
Und immer sah der Glaube:
Es geht!

  DIE GESCHICHTE BIS 1911

Karolinental, ir Gutsbezirk von 7 Hektar, wovon jedoch 318 Hektar zum Gute Rettkewitz gehören, mit 131 Einwohnern im Amtsbezirke Rettkewitz.
Dieses war ehemals ein zu Rettkewitz gehöriges Pachtvorwerk, daß in älterer Zeit überhaupt nicht genannt und amtlich nicht geführt wurde; weder Brüggemann (1784) noch das Ortschaftsverzeichnis von 1834 kennen es. Gleichwohl hat es nach der Matrikel als Sondergut dem Herrn Wilhelm von Selchow gehört; 1838 dem nachmaligen Staatsminister Werner v. Selchow; 1883, den 1.Januar Friedrich v. Selchow. Im Jahre 1894 am 12.Juli erwarb es Kaufmann Julius Meyerheim zu Berlin. Dieser hat das Gut derartig aufgeteilt, dass nur ein Restgut von 290 Hektar übrig blieb, 150 Hektar hingegen unter 9 Hofbesitzer geteilt wurden. Besitzer des Hauptgutes waren in kurzer Aufeinanderfolge: Konrad Bühring, Joseph Zelasko, Besser, Kaufmann Karl Frank und Max Kuhn (1897 - 1907). Der Freiherr von Grote, Nachfolger Kuhns, verkaufte weiter an den Grafen Behr-Bandelin und dieser an den Freiherr von Wolff.
Im Jahre 1873 wurde vom Staatsminister von Selchow der Antrag auf Erhebung zu einem selbständigen Gutsbezirke gestellt; diesem Antrage wurde durch Allerhöchste Kabinettsordre vom 29. November 1873 entsprochen.
Im Jahre 1876 begannen die Meliorationsarbeiten an der Leba, von hier ausgehend. Der ehemalige Brenckenhof-Kanal durchquerte das Gut und wurde bei der Melioration des Leba-Moores erneuert.

gutsahus in Karplinental 2009

Gutshaus 2009

GUTSPARK IN KAROLINENTAL

GUTSPARK

BLICK INS MOOR KAROLINENTAL 

BLICK INS MOOR

KAROLINENTAL DORFSTRASSE

DORFSTRASSE

Wertstoffsammlung UND GUTSWAAGE

Wertstoffsammlung und Gutswaage

Storchennest auf dem gut

Storchennest

 

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