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                                                                                        FREEST

 

                                                   Gutshaus in Freest

                                                                              GUTSHAUS IN FREEST

HOCHZEIT IN FREEST 1936
HOCHZEIT VON TEO UND ERIKA MIELKE 3.04.1936

PERSONAL VOM GUT FREEST


PERSONAL VOM GUSTSHAUS FREEST EMMA ROHRSCHNEIDER UND KOL. WALLI.

ERNTEDANKFEST 1933

ERNTEDANKFEST 1933

DORFHOCHZEIT IN FREEST KARL UND HILDE HÜPKE
HOCHZEIT IN FREEST HILDE U. KARL HÜPKE

GASTE  : SCHMANDT ,MIELKE,FORTER ,SPARS,SCHULZ

KINDER VON FREEST
DIE FREESTER KINDER ETWA 30-GER JAHRE

GUTSHAUS VON SOMNITZ FREEST
Gustshaus in Freest

Gutshaus Freest
Gustshaus in Freest 1917

Bogislaw von Somnitz
Bogislaw von Somnitz

 

Brigitte Floßdorf in Freest.

Wir schreiben das Jahr 1943, scheinbar noch ein Jahr des Friedens. Vom Krieg ist bei uns noch nicht viel zu spüren. Ich bin fünf Jahre alt, stehe innen auf dem Querholm unseres großen Gartentores und draußen steht die Bande der Jungs, die das Tor mit mir hin und her bewegen. „Ich hole meinen Vater", sage ich. Aber sie lachen und ziehen dann davon. Ich bin zu Hause in Freest in Pommern, hier gibt es vier Häuser und den Bahnhof, der vorletzte Halt der Kleinbahn, die zur Küste fährt von Lauenburg bis Leba, dem Seebad mit dem herrlichen Strand. Dahinter auf allen Seiten steht der herrliche Buchenwald und Tannenwald. Laufe ich die Straße rechts hinunter, geht es in Richtung Vietzig bergab. Manchmal erwarte ich meinen Vater dort, der mit dem Fahrrad ein Stück hinauf schiebt und froh ist nun dienstfrei zu haben und auf dem Gepäckträger einige Besorgungen mitbringt, da es bei uns ja kein Geschäft gibt. Es kommt alle paar Tage aber auch ein Milchauto, der Händler hat wichtige Lebensmittel dabei. Gemüse und Kartoffeln gibt uns der Garten, auch Obst. Fleisch wird für den Winter eingeweckt. Hühner und Enten haben wir selber viele. Anderes wird bei den Bauern besorgt oder getauscht. Viele Dinge gibt es nur auf Lebensmittelkartenabschnitten, Zucker, Fett, Stoffe, Schuhe. Ich rieche noch den Duft der Plätzchenbackaktionen bei uns in der Küche oder bei der Nachbarin. Es wird überhaupt vieles zusammen erledigt. Wie Blaubeeren pflücken und anschließend die Blaubeerpfannkuchen genießen im Hof. Oder die vielen Pilze im Herbst. Im Winter kommen die Rehe bis dicht ans Haus. Die Straße im Winter, dahinter der verschneite Zauberwald, ich werde ein Stück mit dem Schlitten gezogen. Der Schnee liegt oft über einen Meter hoch und das Durchkommen ist für die Fuhrwerke und die wenigen Autos schwierig. Biegen wir links auf die Straße, steht dort nach den vier Häusern der kleine Bahnhof aus rotem Backstein. Dann folgt wieder links und rechts nur der Wald und auf der rechten Seite der kleine Friedhof, zu dem einige Stufen hochführen. Wir gehen öfter zum Grab meines Großvaters, der einen Monat vor meiner Geburt während eines Besuches bei uns krank wurde und starb. Welche Arbeit auch von meiner Mutter geleistet wurde, drei Kinder, Haushalt, Garten, Tiere. Allein der Waschtag, wo mein Vater schon vor der Arbeit von der Pumpe das Wasser in die Waschküche trug und alle Bottiche füllte. Ein Jahr später ziehen wir nach Glowitz im Kreis Stolp.

Fünfzig Jahre später. Es ist das Jahr 1993 im August. Ich bin von Ahlbeck mit dem Rad gekommen, schon acht Tage unterwegs und fahre nun diese Straße der Erinnerung von Wicko, das damals Vietzig hieß, bergauf. Ich schiebe auch ein Stück bergauf. Es ist noch wie vor 50 Jahren, der Wald ist noch genau so schön und gepflegt. Ich bin ganz aufgeregt! Nun das erste Haus von Wrzsice, wie es heute heißt. Ich sehe unser Haus, so hell wie damals in der Erinnerung, und schiebe das Rad vor dem Zaun hin und her. Dann spreche ich die Kinder an, die im Garten spielen, ob die Mama da ist. Sie ist im Alter meiner Tochter und kommt und begrüßt mich und bittet mich hinein. Ich zeige meine Bilder von damals und sie holt ein Englisch-Polnisch-Wörterbuch und langsam und mit vielen Gesten klappt die Verständigung. Stolz zeigt sie mir ein neues Bad und natürlich gibt es auch fließendes Wasser in der Küche. Ich sehe, es hat sich kaum etwas verändert. Es ist sehr gemütlich und ich fühle mich dort angekommen, nach langer Zeit. Ihr Mann ist Forstbeamter in der Gemine, wieder ist es ein Haus für Gemeindeangestellte, wie früher. Ich bleibe über eine Stunde bei ihnen und bedanke mich für die freundliche Aufnahme. Ich schaue mich im Örtchen um. Der kleine Bahnhof ist noch der gleiche wie damals und ich sehe noch die Fläche, wo damals der Pferch für das Vieh stand, bevor es in Güterwaggons verladen wurde. Den Friedhof suche ich vergeblich, es gibt ihn nicht mehr, es ist Wald darüber gewachsen. Aber ich bin froh, dort gewesen zu sein, nach so langer Zeit und sehe es als Glücksfall, weil noch vieles so geblieben ist, wie in meiner Kindheitserinnerung. Von Barbara Zielonka, der jungen Frau, erhalte ich jedes Jahr Post und sie fragt an, wann ich noch einmal komme. Bevor ich es nicht mehr kann, habe ich den Wunsch noch einmal dorthin zu fahren. Weiterfahrt nach Westen. Nachdem ich Leba gesehen habe und die Düne, geht's zurück in Richtung Nordwesten nach Glowitz, jetzt Glowzcie, im Kreis Stolp. Hier ist viel gebaut worden, ist es doch ein größeres Kirchdorf. Aber auch hier, Stolper Straße 9, ist das Haus von mir sofort zu erkennen. Die Veranda hat noch immer die braun gestrichenen Fenster. Der große Garten rings herum. Ich setzte mich unter einen Baum mit Blick auf das Haus und ruhe aus, da der Tag sehr heiß war. Jozef kommt vorbei und spricht mich an, er wohnt in der Nähe und sieht sofort, dass ich fremd bin. Er ist Rentner und erzählt so von seinem Leben, auch ein Vertriebener aus dem Osten Polens, 1951 nach Glowitz eingewiesen mit der Familie und nur den notwendigsten Dingen, die von ihnen getragen werden konnten. Als ich auf das Haus zeige, wo ich bis Juni 1947 gewohnt habe, ist er erstaunt und fragt noch viele Einzelheiten aus den letzten Kriegstagen, an die ich mich gut erinnern kann. Der Schulanfang 1944 im Herbst, so verheißungsvoll mit dem neuen Ranzen und alles dauerte nur drei Monate. Dann geht die Lehrerin von Haus zu Haus und ruft: „Flüchten". Anschließend der Einmarsch der Russen. Wir stehen in unserer Veranda mit vielen Flüchtlingen, die bei uns Unterkunft gefunden haben. Nebenan auf Pleines Lagerplatz stehen die ausgeraubten großen Leiterwagen der Flüchtlinge. Später müssen die Frauen den Platz aufräumen und finden noch viele verwertbare Sachen, auch ein halbes notgeschlachtetes Schwein, das aber schon riecht. So vergeht die Zeit und solange die Russen das Gut bewirtschaften und einer bei uns ein Zimmer hat, fällt schon mal etwas Rahm ab oder aus der Brieftasche zaubert er uns Kindern einige Scheiben Schwarzbrot. Die rote Fahne am Haus hält Plünderer erst mal ab. Es ist das Zeichen, dass Russen bei uns Quartier haben. Aber natürlich werden wir evakuiert für einige Tage und die Häuser ausgeräumt und alles abtransportiert nach Russland. Die Polen übernehmen immer mehr die Verwaltung und etwas mehr Ordnung und Sicherheit kehrt ein. Denn jede Nacht in dem ersten Jahr leuchten die Russen in die Fenster und suchen Frauen. Ich erfahre später erst, wo meine Mutter sich mit einigen anderen Frauen versteckt, in der Schonung, im ehemaligen Feuerwehrhaus, einmal in der Veranda, eine Decke über sich geworfen. Irgendwann ist sie wieder da. Uns Kindern tun die Russen nichts. So ist es 1947 geworden, Juni, und der Pole kommt und sagt, wir sollten in die polnische Schule gehen. Aber mit einem der letzten Transporte reisen wir aus. Wir sehen keine Zukunft mehr dort. Ich sehe den Polen heute noch vor mir, wie er die Tür hinter uns abschließt. Über Stolp geht's mit Güterwaggons bis Frankfurt/Oder. Viele Wege und Städte haben wir noch vor uns, Torgau, Kottbus, wo wir meinen Vater wieder treffen, der aus Russland entlassen wurde. Dann nach Hamburg, Winsen, Rade, später ins Rheinland. Aber mein Geburtsland Hinterpommern werde ich nie vergessen und ich will gerne wiederkommen und bin froh es schon wieder gesehen und wieder gefunden zu haben. So viele Jahre sind vergangen und neue Menschen leben dort. Ich hoffe, nie mehr müssen Menschen die Heimat verlassen.

Prüske Freest

Aus der Lauenburger zeitung 1941

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