Gemeindehaus
Erntedankfest in Labehn
Gasthaus Ernst Kellermann
Erntedankfest in Labehn
Erntedankfest in Labehn
Gasthof Ernst Kellermann
Die Kirche in Labehn
Labehner Schulkinder
Die Kirche in Labehn
Die kinder vor dem Gemeindehaus
Die Feuewehrkapelle Labehn vor dem gasthaus Kellerman
Die Kirche in Labehn
Ernte in Labehn
Ernte in Labehn
Labehn
In Labehn, da ist es schön,
halt aus, so wirst du Wunder seh'n!
Das haben wir oft gesagt, aber nie gedacht, dass wir unser Dorf einmal unfreiwillig verlassen müssten. Schön war's in der Heimat, und Wunder geschahen im Großen wie im Kleinen, im Guten und im Bösen.
Am 20. Dezember 1379 unterzeichnete der Danziger Komthur des Deutschen Ritterordens die Gründungsurkunde für Labehn. Mitunterzeichneter war der Vogt von Lauenburg. Der erste Schulze hieß Hermann Balzer. Die Gesamtfläche betrug 81 Hufen, wurde aber in den ersten Jahrhunderten nicht ganz. bewirtschaftet. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich Labehn zu einem ansehnlichen Dorf entwickelt. 1945 zählte es 733 Einwohner. Seine Bauernhöfe säumten beide Seiten der Straße. Ungefähr 1/4 der Höfe waren Ausbauten inmitten der dazugehörigen Acker. Die Landschaft war leicht hügelig. Kleinere Laub- und Nadelwälder sorgten für ein abwechslungsreiches Bild.
Kam man von Lauenburg, so begrüßten uns zunächst die „Fichten«. Viele Labehner Bauern nannten einige Morgen ihr eigen. Westlich lag das sagenumwobene Moor mit dem „Bösen See" und vielen Torfgruben. Im Osten setzte der „Tannenbruch" die Fichten fort. Auf einer Anhöhe lag der Tannen- hof von Werner Schardin.
Der Weg ins Dorf führte zunächst zum „Stadtbach". Das älteste Haus war strohgedeckt. Drei weitere Gehöfte kamen hinzu. Wer hier vorbeikam, machte im Sommer gerne einen Abstecher zur „Mergelkaule", unserem „Badesee"! So mancher hat dort seine ersten Schwimmkünste erworben, um sie später in der Ostsee gut zu nutzen. Passte man nicht genügend auf, konnte man nach dem Bade seine Kleidung im nahen Kartoffelacker suchen. Zu Streichen war die Labehner Jugend nie zu bequem.
Wir wollen nicht weiter ins Dorf wandern, sondern biegen in den nächsten Feldweg rechts ein. So gelangen wir zunächst zum neuen Sportplatz. Manche Wettkämpfe, viele Hand- und Fußballspiele wurden hier ausgetragen. Manchmal siegten die Labehner, ein anderes Mal konnten wir dem Gegner gratulieren.
Jedes Jahr am ersten Junisonntag kamen der Kriegerverein sowie jung und alt mit Blasmusik diesen Weg entlang marschiert, der auch zur „Loscherie" führte, einem Eichenwald, dem Festplatz unseres Dorfes. An den Schieß- ständen wurde das Königsschießen ausgetragen. Mit dem Luftgewehr errangen die Damen und jungen Mädchen wertvolle Preise. Die Kapelle spielte kräftig zum Tanz auf. Hier versuchten wir als Kinder unsere ersten Tanzschritte. Manchmal wurde auch ein Stegreif- oder Singspiel zwischen den Bäumen aufgeführt. Für gute Stimmung sorgten abwechselnd die Gastwirte. Man konnte trinken und Süßigkeiten verzehren. Wer einen kurzen Heimweg suchte, ging am „Sechsrosenbusch" vorbei ins Dorf. Hier wurde der Reckower Weg gekreuzt, den ich sehr gerne gefahren bin.
Zu vielen Fest- und Feiertagen fuhren wir, je nach Jahreszeit, mit Wagen oder Schlitten zu den Großeltern nach Reckow. Im „Reckower Wald" sanken die Räder oft bis zu den Achsen ein, so dass wir einen Umweg durch die „Birken" machen mussten. Manchmal hielten wir, um Heidelbeeren und Pilze zu suchen, oder wir nahmen auf dem Rückweg aus Großvaters Wald „Kaddig" (Wacholder) zum Räuchern mit. Auf der Heimfahrt sahen wir meist schon den Abendstern. Zu Ostern passten wir auf, ob die Sonne beim Untergang wirklich dreimal hüpfte. War es nicht gar zu spät geworden1 fuhren wir auf dem Rückweg am „Neuen Teich" vorbei und durch das Dorf nach Hause.
Der „Neue Teich" war ein richtiges Kinderparadies. Ein Teich war eigentlich nicht mehr da. Nur ein kleiner Graben, den man bequem überspringen konnte, durchzog eine tiefe Schlucht. Der südliche Hang war ziemlich hoch und mit großen Laubbäumen bewachsen. Der nördliche hatte viele freie Plätze und etwas Strauchwerk. Hier konnten wir „Verstecken", „Räuberund Prinzessin" und so manches andere spielen. Die schönsten Erlebnisse waren die Märchenspiele. Den verwundeten Soldaten aus dem Lauenburger Marinelazarett zeigten wir 1943 „Dornröschen" aus dem Stegreif.
Groß und dunkel erhoben sich nahe der Tauenziner Grenze „die Eichen". Der Wald wurde immer etwas ehrfurchtsvoll betreten, barg er doch die Grabstätte der Frau des Barons von Nagel-Itlingen. Acht Labehner schieden hier 1945, als die Russen kamen, freiwillig aus dem Leben.
Freundlich, hell und 'erspielt wirkte dagegen Schmidtkes Birkenwäldchen an der Koppenower Straße. Kleine Teiche mit Fröschen, Libellen und Schmetterlingen verstärkten diesen Eindruck noch.
Aus den Koppenower Tannen und der Landechower Schonung holten wir die Fichtenreiser zum Girlandenflechten, um unsere Kirche am Einsegnungstag zu schmücken. Wenn alle Säcke gefüllt waren, vergaßen wir nie, „Räuber und Gendarm" zu spielen.
Nicht weit von der Landechower Grenze, vom Mühlenbach durchflossen, lagen die Buchen von Maerzkes, Küsters und Bewersdorffs. Hier fanden wir die ersten Maiglöckchen, im Sommer Erdbeeren und Heidelbeeren.
In Klotzens und Schmidtkes Wald am Mühlenweg suchten wir neben Pilzen und Brombeeren im Herbst auch große Grasbüschel. In unserer Phantasie stellten sie Puppen dar; denn ihre Wurzeln ließen sich zu Zöpfen flechten.
Im „Stremel" stand der Hochsitz. Bequem konnte man Hasen, Rehe und Rebhühner beobachten. Unser Blick fiel ebenfalls auf die Bahnstrecke, die zwischen der „Rieh" und Paul Schardins sowie Knaaks Birken entlanglief. Hinter großen Koppeln und kleinen Büschen entdeckten wir sogar unsern Bahnhof Landechow. Wählten wir mit dem Zug die nördliche Richtung, kamen wir nach Leba. Dort badeten wir in der Ostsee, bauten Burgen im weißen Sand oder ruhten uns in den Dünen richtig aus.
Fuhren wir nach Süden, erreichten wir unsere Kreisstadt Lauenburg oder konnten weiterreisen in die weite Welt.
Margarete Eick geb. Bewersdorff
Eine Bauernhochzeit in Labehn
Anneliese Gross geb. Rossmann
Vor dem Gemeindehaus unseres Heimatdorfes Labehn stand ein Kasten, in dem die Bekanntmachungen ausgehängt wurden. Wenn dieser Kasten mit einem frischen grünen Kranz geschmückt wurde, war es mal wieder so weit, in Labehn sollte Hochzeit gefeiert werden!
Um diese Zeit verschickten die Eltern der Braut die Einladungskarten; sie waren gedruckt und lauteten etwa folgendermaßen: Zu der am . . . stattfindenden Hochzeitsfeier unserer Kinder . . . beehren wir uns, Sie und Ihre Familie herzlichst einzuladen. Wir bitten Sie, um 11.00 Uhr zu erscheinen. Polterabend Beginn 20.00 Uhr des Vortages. Wir freuen uns auch über Ihr Erscheinen am darauf folgenden Sonntag zum Resteschmaus . . Im Hochzeitshaus zog um diese Zeit die Schneiderin ein. Es war meistens eine gute Bekannte, die. beim Einkauf der Stoffe und Aussuchen der Macharten beratend geholfen hatte. Sie sorgte dann auch dafür, dass nicht nur die Braut, sondern auch die Brautmutter und Schwestern der Braut hübsch angezogen beim Hochzeitsfeste erscheinen konnten. Oberhaupt setzte nun ein emsiges Treiben im Hochzeitshause ein. Es wurde großer Hausputz gehalten. Im Kreisstädtchen sah man sich nach einer Kochfrau um, ebenso nach passendem Bedienungspersonal und Küchenhilfe; es gab ja meistens 60 bis 80 Personen zu bewirten. In den letzten Tagen vor der Hochzeit ging's dann ans Schlachten und Backen. Nebenbei musste in der zukünftigen Wohnung des jungen Paares noch manches getan werden. Man richtete mit viel Liebe ein, suchte noch manches fehlende Stück an Möbeln oder Hausrat aus, räumte Schränke ein, hing Gardinen auf, und über allem lag Spannung und Vorfreude auf das schönste aller Familienfeste. Am letzten Tage kamen Freunde des jungen Paares und gestalteten den Kornspeicher zu einem Festtagsraum. Sie schufen mit Hilfe von Birken- und Tannengrün Sitzgruppen, nischenähnlich, bauten eine Bar auf und richteten ein Podest für die Kapelle, trugen Tische und Stühle herbei und bekränzten die Türen. Die Zimmer wurden ausgeräumt und lange Tische aufgestellt. Wo irgend möglich, schuf man zusätzliche Schlafgelegenheiten, denn ein Teil der Gäste musste im Hause übernachten Dann endlich war es so weit! Die Gäste versammelten sich zum Polterabend. Die Braut trug ein rosafarbenes Kleid und im Haar ein Kränzchen aus roten Röschen. Zunächst gab es ein warmes Essen, bestehend aus einer Hühnersuppe, Fleischgang und Nachtisch, dazu Wein. Anschließend wurden in origineller Art und Weise dem Brautpaar die Geschenke übergeben. Man machte es mit einem selbstverfassten Vers, kleinen Liedern, ja sogar manchmal mit einem kleinen Einakter. Das löste sehr viel Heiterkeit aus, und selbst die geringsten Geschenke machten auf diese Weise große Freude. Inzwischen waren dann Tische und Stühle zur Seite geräumt worden, und man begann mit fröhlichem Tanz, während draußen die Dorfjugend kräftig polterte. Ab und zu ließ sich das Brautpaar draußen sehen, um eine Runde auszuschenken. Die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt! Gegen 2 Uhr musste dann der Brautvater „Feierabend" gebieten, um für den nächsten Tag einer frischen Gesellschaft sicher zu sein.
Das Hochzeitsfest begann am Morgen um 10 Uhr. Drei Musiker spielten als Auftakt den Choral „Lobe den Herrn. . .". Dann trafen nach und nach die Hochzeitsgäste ein. Vor der Tür bliesen sie den Ankommenden einen kräftigen Tusch zur Begrüßung, für den mit einem Trinkgeld gedankt wurde. Man setzte sich dann an den Tisch zu einem kräftigen Frühstück. Lecker zubereitete Wurstplatten aus eigener Schlachtung, Aal in Gelee, pikante Eier- und Käseschüsseln, Schinken, Sülzen und Salate mundeten allen bestens. Dann wurde es für das Brautpaar Zeit, sich zum Standesamt zu begeben. Später um 14 Uhr versammelten sich alle Gäste vor dem Hause zum Hochzeitstag in die Kirche. Die Damen in farbenfrohen Abendkleidern mit Blumen, die Herren im Frack oder Smoking boten ein hübsches Bild. Das Brautpaar erschien nun im Brautschmuck und führte den Zug an, vorweg zwei kleine Mädchen mit Blumenkörbchen, hinter dem Brautpaar zwei junge Mädel den Schleier tragend. Der Fotograf aus Lauenburg war zur Stelle und hielt so viel wie möglich im Bilde fest. Unter dem Geläut der Glocken betrat man unser kleines Gotteshaus, nachdem man vorher von der Dorfjugend und einigen Neugierigen genügend bestaunt worden war. Es folgte die kirchliche Trauung; oft traute der gleiche Pfarrer, der die Braut konfirmiert, ja manchmal sogar getauft hatte. Anschließend begab man sich auf den Heimweg zum Hochzeitshaus, wo inzwischen für eine reich gedeckte und festliche Tafel gesorgt war. Ein fröhliches Schmausen hub an. Tischreden des Brautvaters, des Pfarrers folgten, die Hochzeitszeitung wurde verlesen, man ließ das Brautpaar hochleben, verlas die inzwischen eingetroffenen Glückwunsch-- Telegramme und genoss all die trefflichen Speisen und Getränke, knusprige Braten mit Spargel und Salaten, süße Kremspeisen; und immer wieder stieß man an auf das Wohl des jungen Paares. Drei Stunden währte die üppige Tafel Dann begab sich die fröhliche Gesellschaft auf den festlich hergerichteten Speicher, wo die Musiker zu fröhlichem Tanz aufspielten. Zwischendurch erfrischte man sich mit einem kühlen Trunk. Viel Frohsinn herrschte. Gegen 11 Uhr versammelten sich alle um die Kaffeetafel. In der Mitte ein köstlicher Baumkuchen, er wurde nun von der jungen Frau angeschnitten. Die schönsten Torten, selbstgebackene Kuchen, viele, viele Sorten, alles ließ man sich wieder gut schmecken. Ja, allmählich neigte sich der schöne Tag nun dem Ende entgegen. Punkt 12 Uhr, um Mitternacht, tanzte das junge „Völkchen" den Schleiertanz: „Wir winden dir den Jungfernkranz mit veilchenblauer Seide ..." sangen alle, während der junge Ehemann sich redliche Mühe gab, den Schleier seiner jungen Frau heil und unversehrt verschwinden zu lassen. Wieder machte man weiter bei fröhlichem Tanz bis in die frühen Morgenstunden. Eine kräftige Mahlzeit am kalten Büfett, und „der schönste Tag des Lebens" war zu Ende gegangen.
Am übernächsten Tage, es war meistens ein Sonntag, denn in Labehn feierte man nach Möglichkeit am Freitag Hochzeit, traf sich ein großer Teil der Hochzeitsgäste beim Gottesdienst in der Kirche wieder. Sie gingen dann zum Mittagessen mit ins Hochzeitshaus, man hatte ja noch so viel zu erzählen! Torten und Kuchenreste wurden verzehrt, die angebrochenen Flaschen geleert, man feierte die so genannte Nachhochzeit. Das junge Paar war auch noch dabei, es verreiste damals in den seltensten Fällen. Meistens fuhr es am darauf folgenden Tage in sein neues Heim, begleitet von vielen herzlichen Segenswünschen.
Die Namen der Bauerngeschlechter vom Jahre 1559
Schulz Martin Dickow;
Bauern:
1) Joachim Schmidt,
2) Peter Wendt,
3) Valentin Hauschildt,
4) Thomas Wendt,
5) Jakob Kruse,
6) Hans Vette,
7) Valentin Klunckow,
8) Marx Korte, Müller,
9) Paul Wendt.