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FLUR UND ORTSNAMEN IM KREIS LAUENBURG

Flur- und Wohnplatznamen sind hochinteressante Informationen über die Vor- und Altertumsgeschichte unserer Heimat. Die Deutung der Namen und Bezeichnungen ist oft sehr schwer und in vielen Fällen auch nicht möglich. Unsere Mundart hat in den Jahrhunderten, seit es die geschriebene Geschichte gibt, einen steten Wandel erfahren. Wandalen, Wendisch-slawische Volksstämme und Zuwanderer aus den Gebieten westwärts der Oder, haben die heimische Mundart laufend gewandelt. Seit dem 16. Jahrhundert wurden durch das Lutherische Hochdeutsch die Namengebungen stark beeinflusst. Wenn wir uns in unserem Kreise umschauen, dann finden wir eine große Vielfalt von z. T. kuriosen Namengebungen bei Flurbezeichnungen, Wohnplätzen, Bergen, Bächen. Sie zeigen uns auch, dass unsere Vorderen einen ausgeprägten Humor besaßen. Rektor Gerlach aus Leba ist es zu verdanken, dass uns dieser Teil unserer Heimatgeschichte erhalten geblieben ist.
Nach Flurnamen zu urteilen, ist im Kreise Lauenburg die ganze Welt zu finden. Da sind die „Alpen" von Zewitz und Rybienke mit ihren bescheidenen Reizen. Über „Irland" kommt man nach „NeuAmerika" und „Kamerun". Wer will, kann sogar nach „Bethiem" und „Jerusalem" wandern. Zweimal kann er im „Paradiese" verweilen oder an anderer Stelle die Schrecken der „Hölle" durchkosten und auf der „Teufeiskanzel" über Versuchungen nachdenken. Ein Spielplatz am Bach, wo die Kinder ihre „Kähne" schwimmen lassen, wird als Schiffswerft gewertet und „Lastadie" genannt. Ein Dorf- teil, wo sich die Wegwarte breit macht, ist „Cichorienfabrik" getauft, und im Armeleuteviertel gibt es die „Ziegengasse" und den „Ziegenwinkel'

Gedanken an Weihnachten kann der „Kremonkengarten" wecken und der „Kollatschenberg" an Ostern.
Auf die Form von Flurstücken nehmen Bezug „Hosenbein" und
Hosenträger", „Lämmerschwanz" und „Peipke", „Schlafmütze" und „Schweinsohren". Da'gibt es das „Ehmkenschloß" worin kinderreidie Familien wohnen und es wie in einem Ameisenhaufen wimmelt. Bei Zackenzin hat man aus einem Vorwerk, einen „Bischof" gemacht. An anderer Stelle heißt ein abgelegenes Gehöft „Splitternackt". Ein zweites wiederum „Hungertod". Wieder an einem dritten Ort machte ein Siedler bankrott und lief davon. Den verlassenen Hof nannte man danach „Reißaus"! Ein anderer Siedler blieb standhaft auf seinem Hof und erwarb so den ehrenvollen Titel „Hunger, wehr dich". Wo die Weiblichkeit des Dorfes sich am Wasserbrunnen trifft, ist das „Holde Eck". Da gibt es eine wüst gewordenen Hofanlage die man den Friedhof" nennt und einen kleinen Kiefernwald, den man als „Judentempel" bezeichnet. Anmutiger klingen dagegen „Lerchenhof", „Lewarkslust", „Kuckuckslust" für Abbauten. Ein Gewässer, wo Kühe und Ochsen ihren Durst stillen, wird „Ochsenkrug" genannt, und aus dem „Engelteich" holt der Storch die kleinen Engel. Bedenklich sind die „Kitzelfichten" - sie gab es in jedem Ort, als Stelldichein der Dorfjugend und Liebespaare.
Nachfolgend eine Auswahl der alten überlieferten Namen, die zu unserer Zeit wohl nur noch selten verwendet wurden.

Bergensin: Neu Amerika.

Borschpol: Kaffeberg.

Bresin: Peiterdiek, Peterchen sind Irrlichter.

 Enzow: Pracherberg.

Felstow: Hosenbein, schmale Feld.

Freist: Amerika, Lastadie für Bachgelände.

Garziger :Höhengrund, eine Sandgrube.

 Gnewin: Holde Eck.

Hohenfelde: Hunger wehr dich, Acker auf dem 1920 Flüchtlinge aus Westpreußen angesiedelt waren. Kerschkow: Reißaus.

Gr. Jannewitz: Ochsenkrug.

Klein Lüblow: Rußland, raue und abgelegene Wiese.
Krampe: Ehmkenkaten, kinder- reiches Haus; Reisaus, abgelegenes Flurstück.

Küssow: Irland, abgelegenes Arbeiterviertel, Judebosch ein Waldstück; Zejenerbarch, früher Zigeunerherberge.

Labehn:
Pfaffenberg.

Labenz: Schottland, ein Abbau. Lanz: Hungertot, abgelegenes Gehöft, Splitternackt, Spottname wie Hungertot.

 Lauenburg: Totschlag in der Nähe des Jägerhofes; Cholerakirchhof, Begräbnisplatz für die Choleratoten.

Lischnitz: Bethlehem, Jerusalem = Abbauten.

Lantow : Sibirien, dürftiger Ortsteil. Ludwigshoft Judenkirchhof, Judentempel = kleine Waldstücke. Rußland, von Rusch = Schachtelhahn.

Mackensen: Zigeunerberg Apostel, ursprünglich zwölf große Linden.

Mersin: Pracherberg.

Occalitz: Amerika, abgelegener Akker.

Osseck: Neu Amerilca ein Abbau.

Osseken: Rußland. Puggerschow: Plinkefeier Wiesch, ein Wiesenstücic Schluschow: Choleraberg, Begräbnisplatz;

Schonehr:
Düwelstein; Lewarkslust, ein Abbau.

Schwartow: Judenweg. Schweslin Galgenberg, Anhöhe wo der Galgen stand.

Tauenzien:
Cichorienfabrik, Scherzname für Dorf viertel; Kamerun, eine abgelegene Wiese.

Villkow: Teufelsberg, eine steinige Kuppe.

Wussow -Judenmoor.

Zelasen: Judengraben, eine Schlucht; Amerika, Heide Wald

Carl Raddatz,
Wiesenstr. 32/34,
40764 Langenfeld

 

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