CHARBROW STEINKISTENGRAB.
KIRCHENGLOCKE
ALTE EICHE IN CHRABROW
TURMFAHNE CHARBROW
SCHULE CHARBROW
LUFTAFNAHME CHARBROW
GASTHAUS UND TANKSTELLE
FRIEDHOF UND KIRCHE IN CHARBROW KREIS LAUENBURG POMMERN
PARTIE AM MÜHLENTEICH CHARBROW POMMERN
GUTSHAUS
DIE GESCHICHTE DES DORFES CHARBROW BIS 1912:
Charbrow, ein Gutsbezirk (Fideikommiß) mit 529 Einwohnern und eine Landgemeinde von 186 Einwohnern. Das Gut bildet zusammen mit dem Gutsbezirk Speck ein von Somnitzsches Familienfideikommiiss. Der Name, meist mit Ch geschrieben, hat einen scharfen Anlaut und daher in alten Urkunden auch Carbrow genannt. Dieser Ort, anfangs ein Besitztum der Bischöfe von Leslau, wurde wie alle geistlichen Besitzungen zu toter Hand urkundlich nur selten genannt, um so häufiger aber seitdem er durch Kauf in die Hand der Familie Weiher, dann der Krockows übergegangen. Als er in die Hand der Somnitzens gelangte, bildete er lange Zeit den Mittelpunkt der ganzen Landschaft Lauenburg und ist noch heute einer der hervorragendsten Edelsitze mit einem reichen Urkundenschatze, namentlich aus der Zeit des Großen Kurfürsten und dessen Sohnes, des nachmaligen Königs Friedrich des Ersten. Der Ort wurde im Jahre 1286 am 4.Januar durch Herzog Mestwin den Zweiten den Bischöfen von Kujavien zu dauerndem Eigentume geschenkt ( Charbrow in Castellania Belgardensi ). Nach der Angabe des Bischofsdezems vom Jahre 1402 bestand das Dorf aus 29 Hufen, einem Kretzem und einer Mühle, ferner aus einem Vorwerke nebst Wiesen und Wäldern. Die Bischöfe haben diesen ihren entlegenen Besitz nur selten besucht; im Jahre 1540, als die Reformation hier schon völlig durchgedrungen war, kam Bischof Lukas Gorka her. Sein Nachfolger Wolski verkaufte im Jahre 1564 seinen ganzen Besitz im Lauenburgischen, bestehend aus den Gütern Ossecken, Charbrow, Labenz, angeblich, weil er nur Unkosten, aber keine Einnahmen davon hätte, in Wirklichkeit, weil die bischöfliche Autorität hier bereits völlig untergraben war. Käufer wurde Ernst Weiher, der im lutherischen Glauben auferzogen und dafür wirksam, in späteren Jahren nach seiner Übersiedelung ins polnische Gebiet, sich als ebenso eifrigen Katholiken gerierte. Nach der Visitation vom Jahre 1569 scheint die recht schwach dotierte ( sie zahlte den niedrigsten Satz an Bischofsgeldern ) und vermutlich auch ebenso dürftig erbaute Kirche schon vor Beginn der Reformation völlig verfallen gewesen zu sein, war aber im Jahre 1598 wieder neu hergestellt, da die Glocken aus diesem Jahre stammen. *) Ernst von Weihers Nachfolger war dessen gleichnamiger Neffe, welcher treu evangelisch blieb, während sein im Jahre 1598 verstorbener Oheim zum Katholizismus übergetreten war. Der Besitz des Gutes ging aber bald ( laut Kaufvertrag vom 1. Juli 1601) in die Hand der Familie von Krockow über, nachdem Reinhold von Krockow (1536 -1599) sich in zweiter Ehe mit Barbara von Weiher vermählt hatte. Georg der Vierte, Erbherr auf Krockow-Ossecken (1570 - 1642), nennt sich im Jahre 1604 Erbherr von Ossecken und Charbrow. Auch dessen beide Söhne, Gneomar Reinhold und Martin Döring führen den gleichen Titel. Diese beiden letzteren verkauften aber im d.J. 1660, während des Olivaer Friedensschlusses, Charbrow nebst Speck und Labenz, sowie Klein Massow, Vietzig und Zdrewen an ihren als brandenburgischen Gesandten in Oliva weilenden Schwager Lorenz Christoph von Somnitz. Seitdem ist das Gut bis zur heutigen Stunde im Besitze der Familie von Somnitz verblieben. Besitzer waren hintereinander: Lorenz Christoph von Somnitz, der Kanzler, welcher diesen Besitz aber noch bei Lebzeiten an seinen Sohn Peter abtrat, selbst gestorben im Jahre 1678; Peter von Somnitz bis 1693; Ernst von Somnitz gestorben 1723; christoph der Zweite von Somnitz gestorben 1766; Karl Heinrich von Somnitz gestorben 1818; Friedrich von Somnitz gestorben 1840; Hermann von Somnitz gestorben 1878 und seitdem Paul von Somnitz, ein Neffe des vorigen und Fideikommißbesitzer seit dem 27. November 1893, sowie Erbkämmerer im Herzogtum Hinterpommern und Fürstentum Kammin. Über die Verleihung der Erbkämmerer Würde an den Charbrower Zweig
der Familie von Somnitz vom 9. Juni 1655 und vom 30. August 1665, die Wappenänderung und Verleihung des goldene Erbkämmerer Schlüssels, der noch heute in Charbrow aufbewahrt wird, besonders aber über die hohe politische Bedeutung Lorenz Christoph von Somnitz und teilweise auch seiner Nachfolger ist schon im Vorangegangenen ausführlich berichtet.
Das Schloss Charbrow ist in seinen ältesten Teilen das Werk des schon mehrfach genannten Kanzlers, der freilich nur selten darin hat weilen können. Dieses Hauptgebäude war nur ein einfaches, herrschaftliches, massives Wohnhaus, und so bezeichnet es auch noch Brüggeman im Jahre 1784,allerdings recht massiv, und die Zwischendecke war von solcher Stärke, dass sie bei späteren Anbauten die Verwunderung der Baumeister erregte. Die Flügel sind neueren Ursprunges. Auch der Turmbau, durch welchen das Ganze architektonisch zusammengefasst wird, ist erst ein Werk der jüngsten Zeit. Die Behaglichkeit der Innenräume, die zahlreichen Familien Erinnerungen und urkundlichen Denkmäler,*) die wohltuende Umgebung einer Landschaft, die aus dem Hügellande in das Tiefland übergeht, verleihen dem Ganzen einen eigenartigen Reiz. Hiermit steht im stimmungsvollem Einklange die im Jahre 1669 nach dem Zusammenbruche der alten, für den Preis von 4004 Talern hergestellt neue Kirche von Charbrow; von der alten ehemaligen katholischen Kirche ist nur der Altarraum stehen geblieben. Das Kirchenbuch reicht bis in das Jahr 1673 zurück. Die Lage auf einem hohen Hügel, an dessen Fuße sich das Dorf ausdehnt, die knorrig entwickelten Bäume, welche das Kirchen Gebäude an Höhe wie an Alter überragen mit ihren einst darin eingelassenen Haken, an welche öffentliche Sünderinnen vor versammelter Gemeinde angelegt wurden ( das Halseisen hat bis in die Achtziger Jahre bestanden),alles dieses hebt sich wohltuend ab gegen mancherlei neuere Kirchen Bauten, die in das ländliche Bild nicht hineinpassen wollen. Diese Kirche ist aber während der ersten 30 Jahre ihres Bestehens der Gegenstand eines beständigen Streites zwischen der Ritterschaft des Landes und ihrem Erbauer und Besitzer reformierter Konfession geworden. Die Kirche galt lange nach dem Aufhören des Katholizismus in dieser Gegend schon deshalb für en unbestrittenes Eigentum des Luthertumes, weil sie bei ihrem weit reichendem Sprengel fast nur lutherische Gemeindemitglieder umfasste und der umwohnende Adel ein Anrecht hierauf zu haben wähnte, während von Somnitz als Patron der Kirche nach dem damals geltenden Grundsatze (cujus regio, ejus religio) sich das Besetzungsrecht nicht wollte schmälern lassen. Die damals scharfen Gegensätze zwischen beiden Konfessionen, den Lutheranern und Reformierten, schürten beständig die. hieraus erwachsenen Streitigkeiten. Aber selbst seitens der Landesherrschaft, die ebenfalls reformiert war, schließlich sogar der Besitzer selbst, griff die Ansicht Platz, dass die Kirche den Lutheranern müsste wieder zugestellt werden, allerdings unter der Bedingung, dass der Familie von Somnitz ein Teil der Baukosten in Höhe von 2000 Talern wieder zurückerstattet werden sollten, um sich hierfür eine eigene neue reformierte Gutskapelle erbauen zu können. Nach und nach kam dieser Betrag in der Tat zusammen, gelangte aber bei der inzwischen veränderten Situation nicht zur Auszahlung und da auch eine Einigung betreffs des
*) Zu diesen gehören neben dem Überaus wertvollen Hausarchive die Familien und Ahnenbild der des Hauses Somnitz, sowie etliche wertvolle Porzellane, die Friedrich der Große aus der zuvor in Berlin gegründeten Fabrik einem Mitgliede des Hauses Sornnitz verehrt hatte. alternierenden Gottesdienstes erzielt war, so tauchte jetzt die Frage auf, welche Verwendung die so angesammelten Gelder finden sollten. Oberhauptmann von Jatzkow trat nun im Jahre 1695 mit der gesunden Ansicht hervor, diese Summe als Grundstock für eine in Lauenburg ein zurichtende, hier dringend notwendige Partikular Schule zu verwenden; eine allgemeine Landeskollekte sollte die weiteren Mittel herbeischaffen. Leider fand er hiermit wenig Anklang und nach seine Berichte vom Jahre 1693 zu urteilen, haben die Gelder nur zur Abstoßung der Kontribution gedient, mit welchen die Lande Lauenburg und Bütow meist im Rückstande waren. Seit dem Jahre 1736 haben nur evangelische Prediger gewirkt; die letzten waren:
Behnke 1768 — 91, Loschnitzki 1791 — 1814, Suhle bis 1832, Boryczewski 1832 bis 1866, Bechthold 1867-1911, seit 1911 Mahlendorf. Zwei derselben, Behnke und Bechthold, haben sich durch Anlegung von Kirchenchroniken verdient gemacht. Lange Zeit (seit 1775) war Charbrow der Sitz einer Inspektion mit 8 Kirchen, später einer Superintendentur. Mit der Kirche war schon am Anfange des 18.Jahrhunderts eine, wenn auch dürftig ausgestattete Schule verbunden. Die Kirche hat nahezu 150 Jahre ohne Orgel bestanden. Das erste Positiv erhielt sie im Jahre 1811, eine bessere Orgel in den dreißiger Jahren, die neue heutige stammt aus dem Jahre 1901. Die streng evangelische Bevölkerung hielt aber doch mit größter Zähigkeit an ihrer kassubischen Sprache fest, und der Gottesdienst wechselte lange Zeit zwischen beiden Sprachen; die Predigten erfolgten aber nicht im kassubischen, sondern im hochpolnischen Dialekte. Im Jahre 1736 war die polnische Bevölkerung noch die überwiegende; aber 1803 waren neben 53 deutschen nur noch 12 polnische Konfirmanden; 1809 wurde der polnische Konfirmanden Unterricht eingestellt. Der letzte kassubische Gottesdienst wurde im Jahre 1870 von dem damals schon emeritierten Pfarrer Boryczewski abgehalten und das letzte kassubische Gemeindemitglied, eine hochbetagte Frau, starb im Juli 1873. Eigentümlich dieser Kirchengemeinde war die Neigung zum Separatismus und zum Aberglauben. An Geschenken erhielt die Kirche von der Patronatsherrschaft u. A. im Jahre 1672 eine große Bibel, 1737 einen renovierten Altar, 1740 die mittlere Glocke, einen Abendmahlskelch von hohem Kunstwert; auch überwies sie ihr vom Jahre 1790 ab die auf den Jahrmärkten erhobenen Standgelder.
Das zum Charbrower Fideikommiss gehörige selbständige, aber schon zu bischöflicher Zeit dazu gehörige Rittergut Speck tritt urkundlich erst im 17. Jahrhundert auf, muss aber vorher, obgleich in Pommern 3 Mal der gleiche Ortsname wiederkehrt, eine andere Bezeichnung geführt haben, vermutlich Dembin, denn so heißen noch heute einige dazu gehörige Katen. Ueber das Dorf Charbrow sagt Brüggemann im Jahre 1784, es habe ein massives, herrschaftliches Wohnhaus, ein Vorwerk, eine Wassermühle mit einem Gange, einen Prediger, einen Küster, 11 Bauern, 3 Halbbauern, 5 Kossäten, einen Krug, eine Schmiede, auf der Feldmark des Dorfes das Vorwerk Heyde und 3 Katen, eine Ziegelei, genannt Vor Charbrow mit 4 Katen, im Ganzen 43 Feuerstellen enthalten. Es besäße einen großen Fichtenwald und die Fischerei im Lebasee sowie in drei Teichen. Die heutige Landgemeinde ist größtenteils aus den selbständig gewordenen Bauernhöfen entstanden; als selbständige Besitzer werden im Jahre 1908 die Halbbauern Radzom, Frobel, Richard u. Leo Gongoll, Murch, Marschke, Redemske, Dieball, Kormann,Eduard und Ww.Bock, sowie die Kossäten Lange, Moroske und Palinski genannt. Die selbständigen Besitzer der Gemeinde Speck heißen: Gnadt, Roeske, Piotter, Piotraschke, Bock, Janneck, Gronke, Wandtke. Im Jahre 1720 wurden vom Könige Friedrich Wilhelm dem Ersten dem Besitzer von Charbrow ein Jahrmarktsprivileg für Montag nach Lätare und Montag nach Kreuzerhöhung verliehen. Die früher sehr besuchten Märkte sind bis auf den im Herbst jeden Jahres abgehaltenen Krammarkt eingegangen. Die im Jahre 1899 gegründete Sekundärbahn
Lauenburg - Leba durchschneidet das Charbrower Kirchspiel; doch liegt der Bahnhof auf Freester Grunde.
*) An die älteste, katholische Zeit erinnert ein Abendmahlskelch aus dem 16. Jahrhundert.