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Zwangsarbeiter und Gefangene in Uhlingen
1940 kommen die ersten Zwangsarbeiter nach Uhlingen, 1 Pole kam zum Bauer Globke und 1 Pole kam zum Bauer Gajewe, Auf das Rittergut kam 1 polnische Familie.Zur damaligen Zeit wohnten aber auch dort noch 3 deutsche Familien. Die polnische Familie hatte mehrere Kinder, die älteste Tochter hatte ein Liebesverhältnis mit einem deutschen Soldat, welchen sie noch in Polen wohnend kennen gelernt haben muss. Ich kann mich gut an sie erinnern, da mein Vater die Liebesbriefe für sie geschrieben hat sie beherrschte die deutsche Sprach schlecht. Sie kam in unsere Wohnung und sagte meinem Vater was er schreiben sollte. Dies ging einige Wochen gut, dann kam der Soldat übers Wochenende nach Uhlingen und hat sie besucht. An einem Sonntag, ich bin mit meinen Eltern spazieren gegangen, kamen 2 Soldaten der Militär- Gendarmerie und haben den Soldaten gesucht. Ich kann mich noch genau erinnern, sie kamen dann mit dem Soldaten im Jeep angefahren. Diese polnische Familie ist dann aus Uhlingen fort, ob sie nun alleine fortgezogen sind weiß ich nicht. Es kann mir aber auch keiner von den älteren Uhlingern sagen wie und was geschah, sie wissen nur alle, dass diese Familie nicht lange in Uhlingen war. Das mein Vater die Liebesbriefe geschrieben hat, ist glücklicherweise nichts  rausgekommen.
Ende 1940 kamen etwa 22-24 französische und belgische Gefangene auf das Rittergut und ca. 10 Gefangene auf die Glashütte, sowie weitere 8-10 Gefangene zum Bauer Gongoll. Die beim Bauer Gongoll untergebracht waren, arbeiteten bei den übrigen Bauern in Uhlingen und es ist möglich, dass auch welche in Sarbske gearbeitet haben. Die Gefangenen auf dem Rittergut wohnten im alten Schloss, da dieses nicht mehr bewohnt war, denn 1924 hatte Herr Buchterkirch dass neue Schloss an das alte Schloss angebaut, welches heute noch vorhanden ist. Der alte Teil war bei meinem Besuch 1968 nicht mehr vorhanden. Die Gefangenen auf der Glashütte wohnten beim Bauer Müller und arbeiteten auf der Glashütte bzw. auf der Schäferei, ich glaube auch noch welche in Grünhof. Entsprechend eines Abkommens mit der damaligen französischen Regierung war es möglich, dass sich die Franzosen internieren konnten, dass heißt sie konnten sich dann frei ohne Wachposten bewegen. Die Uhlinger Gefangenen hatten sich dafür entschieden. Die belgischen Gefangenen kamen dann fort und etwa 20 Franzosen lebte dann auf dem Rittergut und ca. 10 auf der Glashütte sowie beim Bauer Gongoll bis zum 10. März 1945 der Einnahme von Uhlingen durch die Rote Armee.
Etwa im Sept.-Okt.1941 wurden ca. 20 russische Gefangene mit 2 Wachposten dem Rittergut zugewiesen. Diese wurden im Rittergutsgebäude , untergebracht. Diese Menschen wurden von den Wachposten tierisch behandelt, besonders ein Posten war unmenschlich. Er hat mit der Reitpeitsche die Gefangenen geschlagen. Nach etwa 4 Wochen brach Flecktyphus aus. 2 Russen sind in Uhlingen gestorben, sie sind auf dem Mühlenberg, so wurde der Berg genannt verscharrt worden, anders kann man es nicht bezeichnen.  Es ist der bewaldete Berg gegenüber den damaligen Bauer Globke. Da Typhus ausgebrochen war kamen die Gefangenen weg .Über diese Unmenschlichkeit gegenüber dieser russischen Gefangenen hat sich das ganze Dorf aufgeregt, wenn man heute noch ehemalige Uhlinger trifft, sprechen sie noch davon. Der Wachposten soll dann im Lazarett Lauenburg gestorben sein. Ich kann mich daran erinnern, dass die Bewohner gesagt haben, er hat seine Strafe von Gott bekommen.
Anfang 1942 kamen etwa 20 Ukrainer-Mädchen auf das Rittergut Sie wurden dort untergebracht wo die russischen Gefangenen gewesen waren, aber ohne Stacheldraht weitere kamen zu den Bauern bei denen sie auch wohnten Es hieß sie hätten sich freiwillig nach Deutschland zur Arbeit gemeldet. Die Mädels haben dann erzählt wie sie nach Deutschland gebracht wurden. Zwischen den Bewohnern des Dorfes und den Ukrainermädchen haben sich freundschaftliche Beziehungen entwickelt. Mein Vater hatte ein gutes Verhältnis zu den Ausländern und war bei denen auch beliebt. Ich kann mich erinnern, dass die Mädels an Sonntagen zu uns kamen um zu helfen, sie haben zum Beispiel Holz gesägt ‚ meine Mutter hat sie mit Essen bewirtet und Kleider gegeben, oder sie haben etwas gebastelt und haben es meinen Eltern geschenkt. In den letzten Kriegsjahren Haben sich Liebesbeziehungen zwischen den Franzosen und den Ukrainermädchen entwickelt. 1945 als die Russen Uhlingen besetzten war ein großer Teil der Mädels schwanger. Aber auch eine Liebesbeziehung zwischen einer Deutschen und einem Franzosen hat es gegeben. Obwohl es im Dorf allgemein bekannt war, hat es niemand verraten. Diese Frau hat ebenfalls 1945 ein Kind zur Welt gebracht. 1946 oder 1947 hat sie das Kind an ein kinderloses polnisches Ehepaar, ich glaube aus Labenz, zur Adaption frei gegeben..
1944 kamen noch 2 oder 3 russische Familien nach Uhlingen, Nachdem die Russen Uhlingen eingenommen hatten, machten sich die Franzosen mit Traktor und Hänger auf den Weg nach Frankreich, kamen aber nicht weit. Wir haben sie dann in Charbrow oder Vietzig, bei unserer Vertreibung im März 1945 nach Zezenow, wieder getroffen. Es wehte im Dorf noch rote Inletts von den Federbetten als Fahne. Jeder musste sehen wo er was zu essen bekam. Mit alten Dreschflegel wurde Korn gewonnen, dieses hat man dann mit der Kaffeemühle gemahlen um Brot zu backen. Hühner die frei herum liefen wurden eingefangen, um wenigstens Eier zu bekommen. Auch eine Kuh hatte man noch aufgetrieben. Die jungen Frauen haben in Kellern und anderen Verstecken zum Teil Tag und Nacht gelebt, denn die Vergewaltigungen waren weiter auf der Tagesordnung der Russen. Die Russen kamen beritten, entweder aus anderen Orten ‚ aber auch in den Dünen waren noch Russen, die dann die jungen Frauen suchten. Ein junges Mädel, sie war wohl 16 Jahre alt, -Ella  Pardeyke ist
von den Russen erschossen worden, weil sie sich gewehrt hatte.
Durch die schlechte Ernährung und Lebensbedingungen griff der Typhus nun auch auf die Erwachsenen über. Viele Menschen, vor allem Frauen, sind an Typhus gestorben. Wie bereits erwähnt waren viele Kleinstkinder bereits in Koppenow gestorben. Helmut Pardeyke, 15 Jahre alt, damals also so alt wie ich, hatte ein Pferd und ein Einspänner-Fuhrwerk. Er hatte dann die erkrankten Menschen nach Lauenburg ins polnische Krankenhaus gebracht, das heißt sie kamen in spezielle Wohnblocks ,gegenüber dem Krankenhaus, wo auch noch deutsche Ärzte waren. Auf der Rückfahrt hat er oft Tote heim gebracht, ich bin einmal selbst mitgefahren.
Ende Juni 1945 wurde Uhlingen Garnison, es kam eine Artillerieeinheit Russe nach Uhlingen. Die Mannschaft, also die einfachen Soldaten, bewohnten das Gutshaus die Offiziere waren in verschiedenen Häusern untergebracht. Der Komandant-1 Major- bewohnte das Haus von Lüllwitz. Unsere Wohnung wurde Offiziersküche. Wir mussten wieder ausziehen. Mein Vater wurde von den Russen als Bürgermeister eingesetzt. Von da an hörten wenigstens die dauernden Vergewaltigungen auf. Aber es gab freiwillige Liebschaften von deutschen Frauen mit den Russen um mit ihren Familien zu überleben. Das heißt, die Russen brachten den Frauen zu essen,
ansonsten bekam nur derjenige etwas ,welcher bei den Russen arbeitete. Aber es gab auch Russen, die den Deutschen etwas zu essen mit nach Hause gaben, oder die Deutschen welche die Pferde betreuten, nahmen sich etwas von dem Futter, dass für die Pferde bestimmt war mit nach Hause. Da es um Uhlingen herum viel Wild gab, wurden Fallen gebaut und diese führten oft zum Erfolg. Auch die russischen Offiziere gingen auf Jagd und haben Wild geschossen, sie gaben es dann Deutschen zum Ausschlachten. Die Offiziere wollten meistens nur die Keulen der Schweine oder Rehe haben. Auch ist man Nach Leba zu den deutschen Fischern gelaufen, diese haben für die Russen gefischt und wenn sie in den Hafen eingelaufen sind, haben sie den Frauen dann 1 oder mehrere Dorsche gegeben.
Wegen der nicht end wollenden Typhus-Epidemie wurden einige Einwohner aus Uhlingen nach Sarbske evakuiert. Andere wurden dann vom Militärarzt gegen Typhus geimpft. Es entwickelte sich, entsprechend den damaligen Verhältnissen zwischen deutschen und Russen ein gutes Verhältnis.
Man kannte sich und sprach sich auch teilweise mit dem Vornamen an. Eines Tages kamen 2 Offiziere und haben meinen Vater verhaftet. Sie haben bei uns hinter dem
Garten vergrabene Gewehre gefunden. Diese Gewehre gehörten dem Förster Gulden, der noch kurz vor Kriegsende Soldat wurde und die Gewehre bei meinem Vater hinterlassen hatte Mein Vater hatte diese Gewehre, als die Russen
Uhlingen eroberten, hinter unseren Garten geschmissen. Jemand muss diese Gewehre vergraben haben, es muss also in der Zeit geschehen sein, als wir in Groß Podel waren. Nach langen grausamen Verhören in Lauenburg- in der
ehemaligen SS Garnison- wurde mein Vater nach etwa 14 Tagen entlassen.
Neuer Bürgermeister wurde Herr Pardyeke.
Im Juli 1945, also noch vor der Verhaftung meines Vaters, wurde ich nach Sassin geholt, man wollte die Molkerei wieder in Betrieb setzen ,da ich ja bereits 1 Jahr gelernt hatte und wusste wie alles funktioniert, war ich der Spezialist, Gemeinsam mit deutschen Gefangenen haben wir dann die Molkerei wieder in Betrieb genommen. Von diesen Tag an, ging es meinen Eltern und mir verhältnismäßig gut, da wir einen guten russischen Kommandanten hatten-einen Feldwebel Iwan Musikantow .Ich weiß heute diesen Namen noch, da ich ihn in russisch auf die Butterfässer schreiben musste. Ich war ein gefragter Spezialist und durfte jeden Tag eine 2 Liter Kanne Vollmilch mit nach Hause nehmen. Meine Mutter hat dann vielen Uhlingern Milch gegeben. Diese sprechen heute noch davon, dass ich ihnen das Leben gerettet habe.
Anfang bis Ende 1946 kamen vereinzelt verschleppte Männer aus Uhlingen, welche im März 1945 abtransportiert wurden, abgemagert und teilweise krank nach Hause zurück gelaufen. Nach Auskunft einiger waren diese in Graudenz in Lagern eingesperrt gewesen und haben dort für die Russen arbeiten müssen ,andere sind bis heute verschollen. 1946 ist die Artelerieinheit aus Uhlingen abgezogen. Es blieben nur noch einige Offiziere mit Burschen da. Ich erinnere mich, dass in dieser Zeit ein Pole von den Russen, wohnten,erschossen wurde und im Garten vergraben wurde. Die Ursache kann ich nicht sagen. Der Pole soll wohl aus Stresow gewesen sein. Einige sagen er hat mit den Russen Alkoholgeschäfte gemacht, andere sagen er hätte gestohlen .Die polnische Militz hat ihn dann gesucht und im Garten gefunden .In dieser Zeit soll auch
die Frau Peters von der Glashütte durch den Polen Gorny erschossen worden sein-Der Pole wollte ihr das Gepäck, welches sie für die Aussiedlung gepackt hatte, berauben. In letzter Zeit war nur noch 1 Russe in Uhlingen, dieser wohnte in der Försterwohnung und hieß Nikolei, also am anderen Ende unseres Hauses. In der Zwischenzeit waren Polen bei den Baueren im Dorf und auf der Glashütte, eingezogen .Dieser Nikolei ist viel auf die Jagd gegangen. Eines Morgens, es war noch halb dunkel, sind 3 Polen von der Glashütte gekommen,sie wollten nach Leba,Nikolei dachte es sind Wildschweine und hat den mittleren Polen erschossen. Er hat diesen Polen noch in seine Wohnung getragen und
ist dann nach Roschütz um sich dort bei seiner Truppe zu stellen.
Im Frühjahr 1947 sind sie Russen dann aus Uhlingen, mit sämtlichen Kühen fort und haben das Gut den Polen überlassen.Die Molkerei in Sassin wurde ebenfalls still- gelegt.Nach Uhlingen kam dann ein polnischer
Administrator der das Gut leitete.Gleichzeitig zog am anderen Ende unserer Wohnung eine polnische Familie ein. Mein Vater der bereits während der Russenzeit als polnischer Bürgermeister für Uhlingen eingesetzt war und eng mit dem Bürgermeister von Sarbske(ich glaube er hieß Stromski) zusammen arbeitete, wurde nun vom Administrator wieder als Hofmeister eingesetzt. Seine Aufgabe bestand nun wiederarin über Deutsche und Polen zu bestimmen was sie zu tun hatten. Das gab natürlich böses Blut bei den Polen. Der Administrator hat aber den Polen gesagt,:
hier bestimme ich wer was zu sagen hat". Bis zur Ausweisung habe ich auch auf dem Gut gearbeitet. 1947 begann nun auch die Ausweisung der Uhlinger Bewohner .Im September 1947 haben auch wir als letzte Deutsche den Ort Uhlingen verlassen, der nun auf polnisch Ulinia hieß, mit 25 kg Gepäck kamen wir dann nach Lauenburg in die ehemalige SS Kaserne .Von dort wurden wir dann in Güterwagen über Danzig, Posen nach Deutschland gebracht.

KURT DORNAU



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